Hanna Rollwage belegt zweimal den fünften Platz bei der Weltmeisterschaft U18

Müde und erschöpft aber auch noch ein wenig aufgekratzt von der aufregenden Teilnahme an den Weltmeisterschaften der U18 in Santiago de Chile traf Hanna Rollwage vom Verein Judo in Holle wieder nach einer fast dreißig stündigen Rückreise in die heimatliche Gefilde ein.

Fünfter Platz im Einzel und fünfter Platz für die deutsche Mannschaft war die Ausbeute. „Soll bloß keiner glauben, dass ich mein persönliches Ziel erreicht habe. Ich wollte eine Medaille und war ganz nah dran.“ Sprudelt es aus ihr heraus. „In der Vorrunde war ich hoch motiviert und quasi vollgepumpt mit Adrenalin.“ Im ersten Kampf besiegte sie die Brasilianerin Laislaine Rocha unter einer Minute. Auch bei der Japanerin Akiho Yonekawa behielt sie die ganze Zeit das Heft in der Hand und beendete nach einer großen Unterbewertung und einem Ippon nach knapp zwei Minuten vorzeitig die Begegnung. Es waren sehr überlegene Kämpfe, die viele vor Ort in Begeisterung versetzten. „Bei der Brasilianerin hatte ich keine Bange – ich wusste, diese Begegnung musst du unbedingt gewinnen, sonst kannst du gleich nach Hause fliegen. Bei der Japanerin blieb ich ruhig, obwohl ich normaler Weise das genaue Gegenteil von Ruhe bin – ich bin immer sehr aufgeregt. Aber hier war ich im Poolfinale und ich wusste, selbst mit einer Niederlage bleibe ich drin, weil immer noch die Trostrunde mich weiterbringen kann. Diese Gewissheit hat mich stark gemacht.“

Christophe Lambert, der die Kämpfe in der Live-Übertragung verfolgte, ließ sich zu einer begeisterten Bemerkung hinreißen. „Für mich war Hanna in der Vorrunde die Stärkste in dem neunzehnköpfigen Teilnehmerfeld ihrer Gewichtsklasse. An ihre Technik und Explosivität kam keine ran. Ich war felsenfest überzeugt, sie holt heute Gold.“

Aber es kam nach der Pause alles ganz anders. Im Halbfinale musste sie sich der Kroatin Helena Vokuvic stellen, die sie im Kleinen Finale bei der Europameisterschaft bereits besiegt hatte. Die Dominanz und der Kampfwille waren wie weggeblasen. Die spätere Weltmeisterin hatte Hanna sehr schnell unter Kontrolle und bereits nach knapp zwei Minuten wurde sie mit Ippon-Wertung besiegt. Im anschließenden Kleinen Finale gegen die Brasilianerin Luiza Cruz war auch nach zwei Minuten Schluss. „Die drei und halbstündige Pause ist mir gar nicht bekommen. Ich wurde in der Wartezeit immer müder. Die Helena hat schlafen können und war topfrisch. Ich konnte nicht schlafen, weil ich immer noch ganz aufgekratzt war. Ich war dann zum Kampfbeginn fürchterlich müde. Wäre die Pause nicht gewesen, hätte ich Helena Vukovic weggeputzt. Na gut im Kleinen Finale kurze Zeit später war ich immer noch nicht gut drauf.“

Am nächsten Tag bei den Mannschaftsmeisterschaften, die im Mix ausgetragen wurden, ist sie zweimal aufgestellt worden und hat erneut ihre Dominanz unter Beweis gestellt, als sie die noch Weltranglistenerste Fatma Laabida aus Tunesien nach vier (!) Sekunden besiegte. Ähnlich überlegen und spektakulär gewann sie gegen die deutliche schwerere Sophio Somkhishvilli, die neu amtierende Vizeweltmeisterin aus Georgien, nach knapp 2 Minuten mit einer Würge-Technik am Boden. „Dabei bin ich überhaupt keine Bodenkämpferin. Als sie auf dem Bauch am Boden lag, habe ich es einfach mal probiert. Und ich hatte Erfolg.“

Auch ohne Medaille hat sich Hanna Rollwage auf der Weltrangliste sogar um einen Platz auf den fünften verbessert. „Natürlich ist mein fünfter Platz toll und ich will dieses Ergebnis nicht schlecht reden, aber ich war zweimal dicht dran, eine Medaille zu machen. Mit einem Sieg im Halbfinale hätte ich über das Finale eine Medaille garantiert bekommen und im Kleinen Finale bei einem Sieg auch. Der fünfte Platz ist nun mal die undankbarste Platzierung.“

„Am Ende hat es zwar nicht für eine Medaille gereicht aber sie hat in der Mannschaft dann auch nochmal bewiesen, dass sie bei einer Weltmeisterschaft Medaillen holen kann!!! Sie hat zwei Spitzenjudoka, die in der Weltrangliste noch vor ihr sind, sehr dominant besiegt.“ Bewertete abschließend Christophe Lambert die beiden Kampftage von Hanna Rollwage.

Ein bisschen Pause will sie nun machen und etwas kürzer treten, weil in der nächsten Zeit keine wichtigen Wettkämpfe anstehen. „Ich will mich jetzt auf das Abitur konzentrieren und auch darüber nachdenken, wie ich weitermachen will. Ich bin dann im ersten Jahr bei den Junioren, da werde ich sowieso nicht die große Rolle spielen. Ich muss sehen, ob ich im Schwergewicht bleibe. Da muss ich sehen, wie ich mit dem Kampfstil zurechtkomme.“

Ganz zeitnah will sie ihren Geburtstag im Familien- und Freundeskreis nachholen, weil ein Tag vor ihren beiden Wettkampftagen stand ihr der Sinn nicht nach feiern.

Foto Hanna Rollwage; endlich mal wieder entspannt trainieren.