Hanna Rollwage unterzieht sich intensiven Vorbereitungen zur Weltmeisterschaft in Chile

Hanna Rollwage vom Verein Judo in Holle hat nicht viel von ihren Sommerferien gehabt. Nach dem Gewinn der Bronzemedaille bei den Europameisterschaften (EM) in Litauen Anfang der Ferien wurde sie zum höchsten Saisonereignis nominiert, den Weltmeisterschaften der Kadetten, die in diesem Jahr in zwei Wochen in Chile ausgetragen werden. Eine große deutsche Mannschaft wird nach Santiago de Chile, dem Austragungsort, reisen. Der Deutsche Judobund hat acht Frauen und sechs Männer nominiert. Neben den Einzelwettkämpfen über vier Tage in zweimal acht Gewichtsklassen, wird es am fünften Tag den Mannschaftskampf in gemischten Teams mit je fünf Gewichtsklassen geben. In beiden Wettkampfdisziplinen wird die Hollerin mit dabei sein. Insgesamt werden fast 450 Judoka aus 69 Ländern erwartet.

Diese Nominierung Anfang Juli brachte Hanna Rollwage nur zwei Tage Pause und dann ging es im intensiven Trainingsprogramm weiter. „Ich habe quasi da weiter gemacht, wo ich vor der EM aufgehört habe. An meinem Technikprofil habe ich weitergearbeitet und natürlich die ganze Zeit Konditions- und Krafttraining.“ Täglich zwei Trainingseinheiten und das nicht nur in Holle sondern auch bei ihren Landestrainern in Hannover und Braunschweig. Montagvormittag Kondition und am Abend Techniktraining in Braunschweig. Dienstagsvormittag Krafttraining und abends Randori (Kampftraining) in Hannover. Mittwochmorgen Kondition und abends Technik in Holle. Donnerstagmorgen Krafttraining und abends abwechselnd Technik und Randori, Freitagsmorgen Kondition und abends Technik, Samstagmorgen Kraft und nachmittags Laufen und sonntags Ausdauerkraft mit Crossfit. Selbst jetzt wenige Tage vor dem Abflug nimmt sie noch an zwei einwöchigen Lehrgängen teil. Hier werden auch umfangreich Videoanalysen der Kämpfer über sich selbst und auch über die wichtigsten Gegner vorgenommen. „Ich merke schon, dass ich mich in letzten Monaten deutlich verbessert habe. Ich kann mehr Techniken umsetzen. Bei der EM habe ich mit sieben verschiedenen Techniken Punkte geholt. Natürlich habe ich auch an meinen Schwächen gearbeitet, aber die verrate ich nicht, welche das sind.“

Die Ferien reichen für diesen Trainingsumfang nicht mehr aus; das geht schon in die Schulzeit hinein. „Meine Schule, die Michelsen, unterstützt mich richtig super. Sie legt mir keine Steine in den Weg.“ Das hält ihr den Rücken frei und lässt sie gänzlich auf diese so wichtige Meisterschaft konzentrieren.

Trotz Bronzemedaille hat sie drei Plätze in der Weltrangliste eingebüßt; sie ist von Platz drei auf Platz sechs runtergerutscht. Trotzdem werden ihr Platzierungschancen eingeräumt. Eine Frage mag sie aktuell überhaupt nicht hören, wie sie selber ihre Chancen einräumt. „Es gibt eine Weltrangliste, aber wir sind fast nie gegeneinander angetreten, weil fast alle nur an Wettkämpfen auf dem eigenen Kontinent teilgenommen haben. Ich stufe die Asiaten und die Brasilianer als stark ein. Selbst in unserer Altersklasse ist die Leistungsdichte vorne schon recht hoch. Da kann ich auf einmal im ersten Kampf an eine unbekannte aber starke Kämpferin geraten, die mir nicht liegt. Und dann war's das schon nach einem Kampf. Ich will da keine unnötigen Erwartungen erzeugen und mich dann auch noch selbst unter Druck zu setzen.“ Aber vielleicht bringt ihr Geburtstag das entscheidende Quäntchen Glück, den sie einen Tag vor dem Wettkampf hat. „An sowas denke ich auch nicht, da müssen meine Trainingsbemühungen aufgehen.“

Kommenden Samstag beginnt die fast dreißigstündige Reise, um dann die kommenden Tage vor den Kämpfen die Zeitumstellung zu verdauen.