Hanna Rollwage gewinnt Gold und Bronze bei der Europameisterschaft U18

Hanna Rollwage vom Verein Judo in Holle hat ihren Traum erfüllt, mindestens eine Medaille bei der Europameisterschaft der U18 in Litauen zu gewinnen. Im Einzel ihrer Gewichtsklasse plus 70 kg hat sie im Kleinen Finale die Weltranglistenzweite Helena Vukovic aus Kroatien besiegt. Einen Tag später hat sie mit dem deutschen Team die Goldmedaille durch über die serbische Mannschaft gewonnen. Sie wurde nun von der Bundestrainerin Lena Göldi für die Mitte August stattfindenden Weltmeisterschaften in Chile nominiert.

Voller Bewunderung vermerkte der bislang erfolgreichste Holler Judoka Christophe Lambert. „Respekt, so gut war ich in ihrem Alter nicht. Das ist für Holle das bislang beste Ergebnis.“

Nicht ganz unüberraschend hat sich dieser Erfolg eingestellt, da Hanna Rollwage mit Turniererfolgen in den letzten Monaten sich in der Weltrangliste auf Platz drei vorgekämpft hat. Sie war auf der Wettkampfliste unter den 19 Teilnehmern gesetzt, was für sie den Vorteil erbrachte, erst später mit den starken Kämpferinnen auseinander setzten zu müssen. Zum Auftakt gewann sie gegen eine Ukrainerin nach knapp zwei Minuten durch eine Ippon-Wertung. Anschließend kam die kalte Dusche, weil sie gegen die Französin Laura Fuseau sich nicht optimal taktisch einstellte, musste sie unerwartet im Kampf um den Poolsieg eine Niederlage einstecken. Sie ließ sich aber nicht beirren und begann dann in der Trostrunde sich aufzubauen. Sie besiegte nach einer halben Minute Kinga Wolszcak aus Polen und anschließend über die gesamte Wettkampfzeit von vier Minuten Justina Kmieliauskaite aus Litauen. Das kleine Finale bekam noch mal Spannung mit viel Herzklopfen.

„schlaf bloß nicht ein“ sagte sie sich im Würgegriff im kleinen Finale und zählte die Sekunden runter

Ihre Gegnerin war die Weltranglistenzweite Helena Vukovic aus Kroatien. Beide hatten sich bislang noch nicht gegenüber gestanden. Hanna begann den Kampf dominierend und holte zwei große Wertungen. Zwanzig Sekunden vor Kampfende geriet sie am Boden in einen Würgegriff, der schnell in die Niederlage führen kann. Und da kam das Rollwagensche Durchhaltevermögen zum Durchbruch. „Aufgeben kam für mich überhaupt nicht in Frage, ich hatte ja durch zwei große Unterbewertungen die Führung und ich wollte auch nicht ohnmächtig werden. Ich habe mir dann gesagt – schlaf bloß nicht ein – ich habe immer auf die Wettkampfuhr geschaut. Es waren noch 20 Sekunden bis zum Wettkampfende. Als noch 15 Sekunden auf der Anzeige waren – habe ich die Sekunden gezählt, um wach zu bleiben.“ Das hatte geholfen – drei Sekunden vor Kampfende brach der Kampfrichter den Kampf ab und Hanna Rollwage war gerettet, die letzten drei Sekunden waren kein Problem mehr und sie hatte die Bronzemedaille sicher.

Der Kampf mit der Mannschaft am nächsten Tag begann mühsam

Gleich nach den zweitägigen Einzelkämpfen waren am folgenden Tag die Mannschaftskämpfe der Nationalmannschaften. In fünf Gewichtsklassen werden die Kämpfe ausgetragen: -48 kg, – 52 kg, – 57 kg, – 63 kg und + 63 kg. Die deutsche Frauenmannschaft war ausreichend stark besetzt und hatte sich bei dieser Europameisterschaft als beste Frauenmannschaft durch zweimal Gold, einmal Silber und viermal Bronze hervorgetan. Dieser Favoritenrolle wurde sie gerecht und konnte bei der Aufstellung aus dem Vollen schöpfen – die Frauen wechselten sich immer wieder ab. Das war für Hanna Rollwage ganz angenehm. Die Anstrengungen vom vorherigen Tag saßen ihr noch in den Knochen.

Die Auftaktbegegnung gegen Italien wurde mit 3:2 gewonnen. Gegen Holland musste Hanna Rollwage ran und stand einer ihr unliebsamen Gegnerin gegenüber, Marit Kamps. Die Erfolgsbilanz gegen sie war durchwachsen. Bis zum Ende der regulären Kampfzeit war Gleichstand und der Kampf wurde im Golden Score fortgesetzt. Da holte die Holländerin den entscheiden Wertungspunkt und gewann somit den Punkt für die Mannschaft. Trotzdem kam die deutsche Mannschaft und hatte im dritten Kampf, den Kampf um den Poolsieg und um den Einzug ins Halbfinale, die russische Mannschaft als Gegnerin. Die Erfolgsbilanz der Russinen war im Einzel nicht überwältigend und das schlug sich auch im Ergebnis nieder. Mit 3:2 qualifizierte sich das deutsche Team eine Runde weiter und musste nun sich gegenüber der französischen Mannschaft behaupten. Das war dann auch der Auftritt von Hanna Rollwage. Sie wollte die Revanche zur Niederlage vom Vortag, als sie von Laura Fuseau in die Trostrunde geschickt wurde. Diesmal hatte sie ein anderes taktisches Konzept sich überlegt, was sich dann letztendlich bewährte. Ihr Sieg trug zum dominanten Erfolg von 4:1 bei und damit standen sie im Finale gegen die serbische Mannschaft.

Die serbische Mannschaft hatte einen spektakulären Auftritt, weil sie nur mit drei Kämpferinnen antraten, die schon im Einzel mit einer Gold- und Silbermedaille erfolgreich abschnitten. Ihnen reichten jeweils drei Einzelsiege und so bezwangen sie die Mannschaften von der Ukraine, Georgien und der Türkei, um bis ins Finale zu kommen. Für die serbische Mannschaft galt nur, jeder Kampf muss gewonnen werden. Der Auftaktkampf im Finale war letztendlich der Entscheidungskampf, es war die Neuauflage des Finalkampfes – 48kg. Die neue Europameisterin Mascha Ballhaus stand ihrer Finalgegnerin Andrea Stojadinov gegenüber und sie gewann erneut mit zwei großen Unterbewertungen gegen die Serbin. Dieser Punkt reichte zum Sieg der Goldmedaille, weil die serbische Mannschaft zwar noch zwei Punkte holte, aber letztendlich die Bilanz mit 3:2 für die Deutschen positiv ausging.

Hanna Rollwage war überglücklich und zufrieden. „Natürlich war das doof, dass ich gegen die Französin im Einzel verloren habe. Ich habe den Kampf so richtig verpennt. Dafür habe ich in der Mannschaft die Revanche bekommen und genutzt. Später in der Trostrunde habe ich für mich zwei starke Gegnerinnen bezwungen. Gegen die Litauerin hatte ich in Polen verloren und die war stark und dann gegen die Kroatin.“

Jetzt hat sie einige Tage Trainingspause und wird aber schon bald auf die Weltmeisterschaften sich umfassend vorbereiten.